Opas Problem heißt Corona

Veröffentlicht von ttcadmin am

Ein Artikel aus der Wetterauer-Zeitung:

Opas Problem heißt Corona
von Dagmar Bertram

Diethelm Göbeler aus Ober-Mörlen hat uns eine Glosse zu Corona geschickt. Geschrieben hat er sie aus Kindersicht, aber zum Nachdenken bringen will er die Erwachsenen.

“Ich habe schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Lag daran, dass ich einen Bruder bekommen habe. Der Kerl nervt. Ist von der Rubrik “alles meins” – auch meine Spielsachen. Muss mal schauen, was ich dagegen machen kann. Vielleicht versuche ich es mit Juckpulver. Soll bei meinem Opa zu seiner Zeit der Renner gewesen sein. Und da wir mal bei meinem Opa sind, der hat jetzt ein Problem. Nein, nicht ich, Corona heißt sein Problem. Opa kommt nur noch selten, und dann trägt er eine Maske und hält sich nur im Garten auf. Als ich ihn gefragt habe, ob er einen Überfall plant, hat er mit Pamperskloppen gedroht. Dabei trage ich schon seit Jahren keine mehr.

Ich habe ihn dann aber doch nach Corona gefragt. Ist wohl so eine Art Virus. Kleine Kerlchen, die in den Körper eindringen und dort Schaden anrichten. So wie mein Bruder. Ich habe meinen Opa gefragt, wie so ein Virus entsteht, bei meinem Bruder kann ich es mir denken. Dieses Virus ist nur da, weil die Chinesen alles essen, sagt er. Hat mich über seinen Geisteszustand grübeln lassen. Wenn ich etwas esse, dann ist es doch weg. Naja, vielleicht haben die Chinesen nicht richtig gekaut.

Dann ist er ernst geworden und hat mir von seinen Problemen erzählt. Ist Mitglied einer Risikogruppe, für die das Virus tödlich wäre. Und jetzt hofft er auf die Solidarität unserer Gesellschaft, die ihn nicht sterben lässt. Soll aber nicht so weit her sein mit der Solidarität. Gibt wohl immer noch Gruppen, denen Risikogruppen und ältere Menschen egal sind. Lehnen Masken ab, feiern bis zum Umfallen. Da ist mir bewusst geworden, dass seine Maske mich schützen soll, damit ich das Virus nicht essen muss. Ist aber wohl nicht allen bewusst. Er hat von Covid-Idioten gesprochen. Verleugnern der Gefahr, die durch das Virus entsteht.

Mein Opa hat auch von einer Begegnung mit einem älteren Herrn erzählt. Ja, es gibt Menschen, die noch älter sind als als er. Der hat erzählt: ›Ich war sechs Jahre alt, als in meiner Heimatstadt Hamburg die Bomben fielen. Das dauerte zwei, drei Jahre lang, in denen ich immer wieder in den Bombenschutzkeller mit meiner Mutter musste. Wir haben das damals aushalten müssen. Warum können die Menschen heute nicht mal ein paar Monaten diese Corona-Einschränkungen ertragen?‹ Das habe ich mich dann auch gefragt.

Jetzt ist mein Opa wieder in seine Isolation verschwunden. Hätte nie gedacht, dass er mir mal fehlen würde. Das geht bestimmt vielen Enkeln so. Darüber sollten die Corona-Verneiner mal nachdenken. pv

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