Ansichten eines 3-Jährigen

Also, es ist mal wieder schlimm. Mein Opa ist wieder auf 180. Liegt diesmal nicht an den falschen politischen Entscheidungen oder am Spiel der Deutschen Fußballnationalmannschaft. Diesmal regt ihn sein Hobby, das Tischtennisspielen so auf. Haben die vom ITTF (sind wohl die Merkels und Trumps vom Tischtennis) doch entschieden, dass mit einem Plastikball gespielt werden soll. Soll die Umwelt schonen, wiederverwertbar sein und nicht brennen. Hat mir wieder zu denken gegeben. Überall verdammt man den Plastikmüll, soll unsere Ozeane verschmutzen usw. Und dann erzeugt man Milliarden von Plastikbällen. Aber vielleicht gibt es ja bald Rücknahmeautomaten für Plastikbälle. Habe ich als Anmerkung mal eingeworfen. Da ist mein Opa aber an die Decke gegangen, auf so eine Idee kann nur ein Dreijähriger kommen, war seine Antwort.

Es geht ihm auch nicht um den Umweltschutz, dem ITTF bestimmt auch nicht, es geht um den Schnitt. Und schon wieder habe ich Bahnhof verstanden. Schnitt, grübelte ich. Haarschnitt kann mein Opa nicht gemeint haben. Geht schon seit Jahrzehnten nicht mehr zu Nino. Na ja, muss er auch nicht. Hat eh keine mehr auf dem Kopf, eher auf den Zähnen. Aber schon ist sein pädagogisches Talent mit ihm durchgegangen und er hat mir was von Rotation erzählt und davon, dass die Plastikbälle weniger Rotation annehmen. Und das ist für ihn als Meister des Unterschnittes schlecht.

Und dann hat er mir seinen ganzen Kummer erzählt. Unglücklicherweise konnte ich nicht weglaufen, er hatte mich gerade mit dem Auto vom Kindergarten abgeholt. Begonnen hat sein Leidensweg mit der Einführung des 40mm-Balles. Vorher hatten die Bälle einen Durchmesser von 38mm und waren dadurch schneller und „schnittiger“. Der 40mm-Ball war also langsamer und mein Opa konnte sein einziges Plus, den Schnitt und den Block, nicht mehr so gut spielen. Hat ihn fast in eine Lebenskrise gebracht.

Und dann haben die Despoten des ITTFs auch noch die Zählweise geändert. Es wurde nicht mehr bis 21 sondern nur noch bis 11 gezählt. Ich behaupte, der Grund für diese Einführung liegt darin, dass die Tischtennisspieler immer älter und vergesslicher werden und deshalb nicht mehr soooo weit zählen können. Mein Opa ist aber mal wieder anderer Meinung, es ist gegen ihn gerichtet gewesen. Mit den kurzen Sätzen sollen die Aufschlagsspieler bevorteilt werden. Aufschlag…Schuss und mein Opa sammelt den Ball auf.

Und jetzt kommt er so richtig ins fluchen. Dann haben die ITTF-Ignoranten auch noch seinen Belag verboten. Hat mit einem Belag gespielt, der von einem Doktor entwickelt worden ist, glatt und lang. Hab‘s jedenfalls so verstanden. Er hat sich auch an das Verbot gehalten, ist ja Beamter. Es soll aber Spieler geben, die immer noch manipulierte Beläge spielen. Bei Ebay  gibt es die wohl in Mengen zu kaufen. Sagt jedenfalls mein Opa. Er kauft seine Beläge auch im Internet, bei Ebay. Die kommen dann per Einschreiben aus China und bringen meine Stiefoma fast zum Herzinfarkt. Glaubt immer, dass sie ein Strafbescheid bekommt.

Er hat sich auf der einen Seite einen 30 Jahre alten Anti aufgeklebt. Denn legt er immer in die Sonne… keine Ahnung ob das auch als unerlaubtes Behandeln gilt. Besser wird er aber dadurch nicht. Na ja, vielleicht liegt es auch an seinem Alter. Der Plastikball ist jedenfalls sein Todesstoß. Sagt er zumindest.

In seinem Verein reden sie sich jedenfalls die Köpfe heiß, der eine will den Ball, der andere jenen Ball usw. Ich verstehe die ganze Aufregung eh nicht. Ich habe da mal einen Vorschlag: Der aufschlagende Spieler nimmt immer seinen individuellen Ball und aus die Maus. Dann kann keiner eine Beschwerde beim ITTF oder wie der Verein heißt einlegen. Mein Opa hat mich wegen des Vorschlages wieder in den Kindergarten bringen wollen. Dann ist ihm aber die Genialität meiner Idee aufgefallen und er will einen entsprechenden Antrag auf dem nächsten Kreistag stellen. Das macht er bestimmt. Ich habe das Leuchten in seinen Augen gesehen als er daran dachte, dass er mit dem 38er Ball aufschlägt, bis 21 zählt und den akademischen Belag spielt.

(Der Artikel stammt aus meinem Blog www.goebeler.org. Da erscheinen unregelmäßig die Ansichten meines Enkels)